Workshop
„Familienaufstellungen bei Trennung und Scheidung“

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"Familienaufstellungen bei Trennung und Scheidung"


Marlies Warncke - Workshop Jahrestagung DGSF, Dresden 7.9.2001



1. Grundlagen der Familienaufstellungen


Familienaufstellungen in der jetzigen Form wurden entwickelt von Bert Hellinger. Er schöpfte dabei aus verschiedenen Quellen humanistischer Therapieverfahren (Familientherapie nach I. Boszormenyi-Nagy und V. Satir, Primärtherapie nach Janov, TZI u.a.).


Seine systemische Kurzzeittherapie gründet im wesentlichen auf folgenden

Grundannahmen:



2. Praktische Vorgehensweise


Zur Kernfamilie zählen alle lebenden und alle toten Angehörigen, und es werden die lebenden als auch die toten gestellt. Es gehören dazu:

zur Ursprungsfamilie: Vater, Mutter, alle Geschwister, frühere wichtige Bindungen der Eltern vor der Ehe und Kinder, die aus diesen Bindungen entstanden sind,

sowie Bindungen der Eltern während der Ehe und Kinder, die aus diesen Bindungen entstanden sind.

zur Gegenwartsfamilie gehören dazu: Mann und Frau, die Kinder, frühere wichtige Bindungen von Mann und Frau, Bindungen während der Ehe, abgetriebene Kinder und oft auch Fehlgeburten (haben Bedeutung für die Eltern, gehören auf jeden Fall dazu ab 5-6 Monate).

Inhaltlich werden folgende wesentliche Arbeitsschritte in einem Aufstellungsverfahren vollzogen:



3. Was wirkt in Familienaufstellungen?


1. das "Lösungsbild" – indem es das "alte Bild" ersetzt und indem es integriert wird

2. der Prozess der Lösungsschritte

3. Sätze und Rituale während der Prozessarbeit


zu den Sätzen:

- es sind Botschaften, die nur das Wesentliche beinhalten

- sie sind oft ritualisiert aus o.a. Grund ( z.B. kann der Satz "ich liebe Dich" nicht beliebig oft variiert werden, ohne seine Bedeutung zu verlieren!!) – und durch die Wortwahl oft auch einprägsamer (Aussagen v. TN!)

- Sätze sind immer innere Haltungen bzw. sollten zu inneren Haltungen werden. Ein Satz, der "nur gesagt" wird, hat kaum Gewicht und Kraft, etwas zu bewirken.


Die Wirkung entsteht durch das Nehmen des "neuen Bildes", zu dem die Sätze gehören. Dieses muss sich integrieren, d.h. in einem inneren Prozess zur Haltung werden ( indem neue Muster des Denkens und Verhaltens, Normen, Weltkarten, Glaubenssätze...dazu entwickelt werden bzw. entstehen)


Dieser Veränderungsprozess fängt während der Aufstellung schon an (bzw. kann schon anfangen ) und sollte in der Zeit danach sich weiter verfestigt.


4. Grundsätze der Familienaufstellungen bei Trennung – Scheidung - Verlust


"...Trennungen geschehen ohne Schuld. Sie sind unausweichlich, in der Regel unausweichlich...Die Trennungen sind Folgen von Verstrickungen."

(B. Hellinger, Ordnungen der Liebe, S. 47)



Kinder:


Eltern

geachtet werden

(sie haben in Bezug auf die Kinder aus einer anderen Bindung weder Rechte noch Pflichten – das ist dann ganz allein Sache von Vater und Mutter: (Ordng.d.Liebe, 246)


Bei wem sind die Kinder gut aufgehoben ?


Nach Bert Hellinger sind die Kinder bei dem Elternteil am besten aufgehoben, der den anderen achtet: "Mein Mann ist ein guter Vater" – Meine Frau ist eine gute Mutter" sind die Haltungen, die zeigen, dass das Kind bei dem Elternteil (oder bei beiden) gut aufgehoben ist

Wenn beide Eltern einander nicht achten, sieht man in Aufstellungen oft, dass die Kinder keinen guten Platz haben und nicht aufgehoben sind.

(in dem Fall ist es gut, nach den Großeltern zu schauen und die Kinder dort im "inneren Bild" hinzustellen )

Wenn Partner bei Trennungen nicht auf die Schuldfrage fokussieren, Kränkungen, Hass, Groll und Trauer verarbeiten, was bleibt dann aus der früheren Beziehung? Es kann dann die "liebevolle Bindung" zum anderen, wie sie einmal lebendig war, wieder Platz finden. Als eine Befreiung wird dann erlebt, wenn in einer Aufstellung die Partner sich sagen können: "Ich habe Dich geliebt. Ich danke Dir für deine Liebe. Das Gute bleibt. Das größte Geschenk unserer Liebe sind unsere Kinder / ist unser Kind/. An dem Scheitern unserer Beziehung übernehmen ich meinen Teil und lasse Dir deinen. Und Jetzt lasse ich dich al meinen Mann/als meine Frau in Frieden. Du bleibst immer Vater – und ich bleibe immer die Mutter von..... Er braucht / sie brauchen uns beide.


In den Kindern sind sowohl Vater als auch Mutter präsent (Kinder sind Vater und Mutter !). Wenn der andere Elternteil nicht geachtet wird oder mit Wut und Groll, zerstörerischen Ideen etc. innen repräsentiert ist, hat das Bedeutung und Auswirkung auf die Kinder. Dürfen sie den anderen Elternteil "lieben" (d.h. nehmen) oder nicht? Diese Tatsache hat Auswirkungen auf ihr Leben, ob sie z.B. mit in "Loyalitäten gegen"/Verstrickungen eingebunden werden oder nicht.


Unbewältigter Trennungsschmerz (-hass) bindet die Partner weiterhin aneinander (auf ungute Art). Die Partner bleiben darüber (in Trauer oder in Hass) an den früheren Partner gebunden.


Im Aufstellungsprozess kann immer wieder gesehen werden, dass Gefühle in unterschiedlicher Schichtung/Ebenen verankert sind. Die oberste Ebene ist oft die der Aggression, Enttäuschung, Trotz und der Wut bei Trennungen beim verlassenen Partner. Darunter liegt der Schmerz und die Trauer. Wenn diese zugelassen wird, kann die weiter darunter liegende Schicht Platz finden: die ursprüngliche Liebe zum anderen. (Ebenso ist es natürlich auch bei Kindern zu ihren Eltern !)

Oft merken Menschen nicht, dass der Verlust, den sie hatten, nicht "verschmerzt" worden ist.

In der Aufstellung kann dann oft dieser Trennungsschmerz zum ersten Mal erlebt werden oder es fängt in der Zeit nach der Aufstellung ein Trauerprozess an.


5. Wesentliche Sätze, die o.a. Haltungen ("Ordnungen") beinhalten 1


Mann und Frau können sich auf das ursprüngliche der Bindung zueinander beziehen und dann bei einer Trennung sagen:

Ich habe Dich geliebt und war glücklich mit Dir.
Ich nehme, was du mir geschenkt hast.
Ich nehme es mit und halte es in Ehren.
Das größte Geschenk unserer Liebe sind unsere Kinder/ist unser Kind.
Für das, was zwischen uns schiefgelaufen ist, übernehme ich meinen Teil der Verantwortung und lasse dir deinen.
Und jetzt lasse ich dich als meinen Mann / als meine Frau in Frieden.
Wir sind beide die Eltern von ..... er/sie braucht/en uns beide.
(nur die Paarbeziehung wird getrennt, nicht die Elternbeziehung !)

Wenn ein Partner den anderen verletzt/gekränkt hat (indem er / sie z.B. die Familie verlassen hat) ist es gut zu sagen:

Ich habe Dich sehr verletzt.
Es tut mir leid"
Oder: "Ich habe Dich nicht gesehen".
Ich sehe Dich jetzt erst richtig.


Eltern zu den Kindern:

Ein wichtiger Satz für Kinder bei Trennungen/Verlust ist:
"Wenn ich Euch sehe, sehe ich meine Liebe zu eurer Mutter/eurem Vater in euch".

"Wir trennen uns, doch jeder von uns (Eltern) bleibt für euch Vater und Mutter"
Es ist so schön, dass es Euch gibt.


Umkehrung von früherer Haltung:
(z.B. ein Satz für eine geschiedene Frau zu ihren Kindern, als sie sieht, dass sie ihren Vater hassen)
" Ich habe euren Vater sehr geliebt, und wenn ihr so werdet wie er, stimme ich dem zu."


Kind zu den Eltern:

Ich danke Dir, dass Du mir das Leben gegeben hast. Das Wichtigste hast Du mir gegeben.

Was Du mir nicht geben konntest, werde ich mir woanders holen.

Ich werde jetzt auf andere Art und Weise liebevoll mit Dir verbunden sein (bei Verstrickung).

Ich mute Dir zu (zu Vater oder Mutter), dass ich mich jetzt auf die Seite (meines Vaters/meiner Mutter) stelle. (Ich stelle mich zu den Männern. Ich stelle mich zu den Frauen)

Ich habe Dich sehr vermisst.

Du hast mir sehr gefehlt.

Kind zu Eltern , bei Gewalt

Ich lasse die Verantwortung, für das, was Du getan hast, bei Dir. Du musst es tragen, nicht ich. Ich bin nur das Kind. Du bleibst immer mein Vater/meine Mutter.

zweite Frau zur ersten: Du bist die Erste, ich bin die Zweite. Ich nehme meinen Platz jetzt neben meinem Mann und achte Dich als Erste.



1 (Sätze bedeuten im Aufstellungsgeschehen immer innere Haltungen !)


6.Methode der Aufstellung bei Trennung und Scheidung


Das Ziel der Aufstellung ist, ein grundlegendes Bild zu finden, welches jedem Familienmitglied ermöglicht,


1. alle, die dazugehören, zu sehen und zu Ihnen Kontakt (Beziehung) aufzunehmen. Selbst wenn dieser Kontakt in der Außenwelt nicht möglich sein sollte (z. Bsp. bei Tod eines Familienmitglieds, geograf. Entfernung o.ä.), wäre in diesem Fall die innere Haltung / der innere Vollzug entscheidend.

2. Den Eltern die Möglichkeit zu geben, ihre Beziehung zu klären, damit die Kinder frei über beide Elternteile verfügen können. D.h. dass die Ehepartner jeder für sich seinen Teil der Verantwortung für die Trennung auf sich nimmt und die Verantwortung dafür, dass beide Eltern bleiben auch über die Paartrennung hinaus

3. Zu schauen, wen (was) die Eltern als Unterstützung benötigen (aus ihrer Ursprungsfamilie !), um die Kinder aus ihrem Konflikt miteinander herauszuhalten

4. Evtl. belastende Ereignisse in den UF der Eltern soweit wie es möglich ist, zu Lösungen zu führen

5. Den Kindern einen Platz zu geben, an dem sie Zugang zu beiden Elternteilen haben können

6. Eventuelle Schuld von den Kindern zu nehmen


Ausnahmen von obigen Grundlagen sind, wenn ein Partner z. B. keine Verantwortung über die Kinder übernimmt indem er für ihren Unterhalt nicht zahlt, ins Ausland geht und sich nicht kümmert o.ä.


Patchworkfamilien

Auch hier gilt die wichtigste Grundlage der Aufstellungsarbeit, dass alle, die dazugehören, dazu gehören dürfen. D.h., dass sowohl frühere Beziehungen der Ehepartner, wichtige Beziehungen während der Ehe und die Partner nach Ehescheidungen sowie Kinder aus all diesen Verbindungen mit dazu gehören und einen Platz bekommen. Für Kinder, die aus einer großen zerwürfelten Patchworkfamilie kommen ist es oft so, dass allein die Entstehung einer "Ordnung", also eines Bildes, indem alle aufgehoben sind und ihren Platz haben, eine große Erleichterung bedeutet.


Die Ursprungsfamilien

Im Aufstellungsverfahren wird immer wieder deutlich, dass wir unsere Prägungen und die Art, wie viel Energie wir für unser Leben "im hier und jetzt" zur Verfügung haben und wie viel davon gebunden ist, von unserem größeren Familiensystem her verständlich wird. Damit ist gemeint, dass wir in unser Familiensystem in einem sehr großen Maße eingebunden sind ohne dass uns dies bewusst wäre. Wenn in einem Familiensystem ein schweres Unglück geschehen ist, so hat dieses – je nach der Art der Verarbeitung – Auswirkungen über mehrere Generationen, in der Regel drei, bei sehr schweren Unglücksfällen (wenn z.B. eine Frau im Kindbett stirbt oder bei Mord) über vier Generationen. So sind wir ein Teil unseres Systems, und was dazu gehört, gehört auch zu uns. Bert Hellinger spricht hier von einer "Schicksalsgemeinschaft". Um eine weitergehende Lösung für Paare und Kinder aus Trennungs- und Scheidungsfamilien zu finden, ist es gut, über die Aufstellung der Gegenwartsfamilie hinaus die Ursprungsfamilien zu stellen.


(Auch wenn es oft so aussieht) die Familienaufstellungen sind kein abgeschlossenes System, sondern eine Methode in der Entwicklung


7. Literatur




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