Erläuterungen

zum Vortrag Die Stellvertretende Wahrnehmung“

EFTA – Europäischer Kongress für Familientherapie
Berlin, September 2004

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Erläuterungen / Begriffsklärungen / weiterführende Hinweise





Zum Vortrag, Abschnitt: I „Was sind Aufstellungen“:

 *Gruppe:

Systemaufstellungen werden in einer Gruppe durchgeführt, in der die Gruppenteilnehmer als sog. Stellvertreter bzw. Repräsentanten fungieren. Das Verfahren ist als Gruppenverfahren entstanden, wobei die für den Prozess der Aufstellung wesentliche Informationssammlung aus den Phänomenen, die sich bei den Stellvertretern entwickieln und aus den Rückmeldungen der Stellvertreter sich zusammenfügt. In der Folge der Arbeit mit Gruppen entwickelten sich auch Aufstellungen ohne Stellvertreter. Systemaufstellungen werden daher inzwischen auch – unabhängig von einer Gruppe mit Stellvertretern - im Kontext von Einzelberatung durchgeführt. Die Systemelemente, die in einer Gruppe durch die Stellvertreter repräsentiert werden,  sind in der Einzelarbeit durch Symbole (=Stühle, Schuhe, Blätter, Figuren, Klötze etc) ersetzt. Dies macht dies einen wesentlichen Unterschied aus im Hinblick auf den Erhalt von Informationen, und ist von daher eher als Unterform oder Sonderform des Aufstellungsverfahrens anzusehen. Es können in der Aufstellungsarbeit mit unbelebten Symbolen nicht die gleichen Informationen geschöpft werden wie bei einer Aufstellung mit Fremdpersonen als Stellvertreter und auch nicht vergleichbare Prozesse entstehen. Meine Überlegungen zur „stellvertretenden Wahrnehmung“ beziehen sich demnach immer auf <<Personen als Stellvertreter>> bzw. auf das Aufstellungsverfahren als Gruppenverfahren.

  

**systemische Methode:

Aufstellungen können als eine „systemische Methode“ von „Kurzzeittherapie“ und/oder „Kurzzeitberatung“ bezeichnet werden.

„Systemische Methode“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass

1.     die Klienten/Kunden nicht „psychodynamisch“(also ausschließlich auf die inneren psychischen Vorgänge bezogen), sondern immer in ihrer (Bindungs-)Abhängigkeit zu wesentlichen Interaktions- , und kommunikationsbeziehungen bzw. –kontexten betrachtet werden

2.     die Lösungen ebenfalls den Kontextbezug mit einschließen im Sinn einer „Lösung zweiter Ordnung“ (Watzlawick): wenn ein Teil des Systems sich ändert, zeigt dies Auswirkungen auf das System (auch wenn nicht gesagt werden kann, in welchem zeitlichen Rahmen und wie genau das sein wird)

3.     die „kontextuellen (Bindungs-)Abhängigkeiten“ eines Menschen zu seinem System sowohl auf der horizontalen Ebene (Gegenwartskontext, z.B. bei Fragen zur Arbeitswelt) als auch auf der vertikalen Ebene (Mehrgenerationaler Kontext, z.B. bei „Familienaufstellungen“) in den Blick genommen werden

  

***Informationen zum System:

Hier gibt es Ausnahmen und Unterschiede in der Frage, wann welche Information zum System erfragt werden sollte. Eine dem Aufstellen vorhergehende Informationssammlung ist von der Aufstellungsform abhängig. Die Familienaufstellungen verneinen im Gegensatz zu den „systemischen Strukturaufstellungen“ eine vorherige größere Informationserfragung. Hier werden zu Beginn der Arbeit nur die Grunddaten des Systems erfragt (wer gehört dazu). Die meisten Modelle der „Systemischen Strukturaufstellungen“ von Sparrer/Kibed hingegen sowie auch die Aufstellungen zu beruflichen Kontexten bzw. Arbeitsssystemen (Organisationsaufstellungen ) fußen auf vorhergehender verbaler Informationsbeschaffung. Diese werden bei systemisch arbeitenden Aufstellern ermittelt mit Hilfe von „systemischer Fragestellungen“, insbesondere mit dem „lösungsfokussierten Interview“ nach Steve deShazer/Inso Kim Berg. Systemische Fragestellungen unterscheiden sich in der Informationsgewinnung u.a. dadurch, dass sie sowohl den jeweils wichtigen Kontext (Umfeld), in dem das Problem stattfindet, mit berücksichtigen als auch Suchprozesse zum Lösungsszenarium im Klienten anregen. Die Fragestellungen sind kontextbezogen, ziel- und ressourcenorientiert, und Fragen werden als Interventionen ( = Handlungen) verstanden.





Zum Vortrag, Abschnitt: III. Was sind „stellvertretende Wahrnehmungen“

*Traum und Deutung:

Zum Komplex der <<Deutung>> möchte ich auf C.G. Jung und auf die Traumdeutung verweisen. Es gibt u.a. für Jung zahlreiche Erfahrungen mit Träumen, die Visionen/eine Vorausschau auf Kommendes enthalten. Aufgrund dieser Erfahrungen, sagt Jung,  kann man als Therapeut dann in der Behandlung die Patienten schon vorher auf Kommendes aufmerksam machen. Zitat Jung: „In solchen Fällen pflege ich zu sagen <<Jetzt müssen Sie aufpassen, jetzt gibt es etwas!>>.“ Als Beispiel fügt er nachfolgend aufgeführten Traum an: Eine Patientin in mittlerem Alter erhält plötzlich einen kurzen Traum, der nicht an die Träume anknüpft, mit denen sie sich vorher befasste. Sie träumte, „sie war allein in einem Haus. Es wurde Abend. Sie ging durchs Haus, um überall die Fenster zu schließen. Da fiel ihr noch eine Hintertüre ein, die sie auch schließen müsste. Sie ging zu der Türe und fand, dass diese Türe kein Schloss hatte. Sie fragte sich, was sie wohl machen müsse und begann, nach Möbeln oder Kisten zu suchen, um sie davor zu stellen. Darüber wurde es immer dunkler, immer unheimlicher. Plötzlich flog diese Türe auf, und herein schoss ein schwarze Kugel und traf sie mitten in den Leib. Sie erwachte mit einem Aufschrei.

Ich sagte ihr, dies müsse etwas Telepathisches sein. Sie solle sich das Datum genau merken und den Traum aufschreiben.“ (...) „Drei Wochen später erhielt sie den Brief einer Nichte, die ihr schrieb, dass die Tante an jenem Tag gestorben sei.“ Die Patientin hatte die Tante seit 20Jahren nicht mehr gesehen, die Familie war zersplittert infolge eines Streits und gerade mit dieser Tante stand sie auf ganz schlechtem Fuß. Jung, C.G., GW Supplementbände, Seminare Kinderträume, S. 24 und 598, Walter Verlag Düsseldorf und Zürich 1987, Patmos Verlag 2001

 Laut C.G. Jung ist die Kugelgestalt eine altbekannte Vorstellung der Seele. Visitatio wird häufig dargestellt durch kugelförmigen, psychischen Effekt. (a.a.o., S. 599)

 
unbewusster energetischer Kontakt *

mit dem Attribut <<in unbewusstem energetischem Kontakt sein>> möchte ich den Fakt bezeichnen, dass ein Teil der aktuellen Lebensenergie eines Menschen abgezogen bzw. gebunden ist an Ereignisse oder Menschen, der die Vergangenheit angehören. Dieser Teil der Lebensenergie steht dann nicht zur Verfügung für den funktionalen Umgang mit aktuellen Ereignissen / Menschen.



Zum Vortrag, Abschnitt: IV. Was geschieht in Systemen – was widerspiegelt sich in der „stellvertretenden Wahrnehmung“

Bewusstsein*

Man könnte sagen, die Verstrickung ist den Menschen „unbewusst, oder es liegt im– in ihrem -  Unbewussten verborgen. Es gibt im Bewusstsein evtl. so etwas wie vage Ahnungen, oder halbbewusste Gefühle, z.B. von übermächtigen Tendenzen wie es Suizidtendenzen sind, u.ä. Bei den Stellvertretern in der Aufstellung zeigen sich diese Tendenzen und die damit verbundenen Gefühle von Verstrickung, die den „realen“ Menschen verborgen bleiben, mit prägnanter Aussagekraft, so weit wie wir sie bis heute in der Lage sind, die Aussagen der Aufstellung erkennen zu können.



Zum Vortrag, Abschnitt: V. Verknüpfungen zum Phänomen

Literaturangaben zum Abschnitt V.

* Jung, C.G., Die Dynamik des Unbewussten, GW Bd. 8, Walter-Verlag Solothurn und Düsseldorf 1985 (7); Kapitel Instinkt und Unbewusstes, S. 154

*2* Downing, George, Körper und Wort in der Psychotherapie, Leitlinien für die 1*Praxis, Kösel, Kempten, 1966, Kap. Verkörperte Gegenübertragung, S.316, 317

*3* Downing, Georg,e Körper und Wort in der Psychotherapie, Leitlinien für die Praxis, Kösel, Kempten, 1966, 1.) S. 318, 2.) Anmerkung 4 zu Kapitel 23, S. 422

*4*Stierlin et.al, Familiendynamik,

*5* Downing, George, Körper und Wort in der Psychotherapie, Leitlinien für die Praxis, Kösel, Kempten, 1966, Anmerkung 6 zu Kapitel 23, S. 423

*6*Daniel Stern, Internet-Abstract Vortrag EFTA 2004,

*7* Jung, C.G., a.a.o., S. 154



Literaturliste:

1. siehe Literaturangaben zum Abschnitt V.

2. Weitere Literaturangaben:

Boszormeny-Nagy, I. und G. M. Spark, Unsichtbare Bindungen, Stgt. 1995 (Klett-Cotta)

Reich, Wilhelm, Charakteranalyse, Kiepenheuer & Witsch, Köln, 1971, 1989 (8..Auflage)

Handwörterbuch Psychologie, Hrsg. Roland Asanger Gerhard Wenninger, Weinheim: Beltz Psychologie Verlags Union, 1999




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